„Keine 10-Millionen-Schweiz“: Eine falsche Antwort auf echte Herausforderungen

Die Begrenzung der Schweizer Bevölkerung mag auf den ersten Blick wie eine einfache Antwort auf komplexe Herausforderungen erscheinen. Für die Walliser Unternehmen – insbesondere im Baugewerbe – führt diese Initiative jedoch in Wirklichkeit zu mehr Starrheit, verschärft den Arbeitskräftemangel und schwächt die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit. Für den Handwerkerverband und bauenwallis ist klar: Diese Initiative widerspricht den Interessen unseres Wirtschaftsgefüges und muss abgelehnt werden.

„Keine 10-Millionen-Schweiz“: Eine falsche Antwort auf echte Herausforderungen

Im Wallis lässt sich die Frage des Bevölkerungswachstums weder auf statistische Projektionen noch auf theoretische Debatten reduzieren. Sie zeigt sich in einer sehr konkreten Realität: Unternehmen, die Mitarbeitende suchen, Baustellen, die voranschreiten, und Projekte, die umgesetzt werden. Genau aus dieser praxisnahen Perspektive heraus ist die sogenannte Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» zu beurteilen.

Auf den ersten Blick mag das Ziel attraktiv erscheinen: das Bevölkerungswachstum zu steuern, um das Gleichgewicht des Landes zu bewahren. Doch es stellt sich eine zentrale Frage: Führt der Versuch, eine administrative Obergrenze festzulegen, nicht dazu, genau jene Mechanismen zu schwächen, die das Funktionieren unserer Wirtschaft ermöglichen?

Eine Wirtschaft, die dank ihrer Anpassungsfähigkeit funktioniert

Das Walliser Wirtschaftsgefüge basiert weitgehend auf kleinen und mittleren Unternehmen. Ihre Stärke liegt in der Nähe zur Praxis, ihrem Reaktionsvermögen[MC1]  und ihrer Anpassungsfähigkeit. Gerade im Baugewerbe ist diese Flexibilität entscheidend, um auf vielfältige, sich wandelnde und oft dringende Bedürfnisse reagieren zu können.

Die Einführung einer starren demografischen Obergrenze würde diese Anpassungslogik durch eine administrative Logik ersetzen. Langfristig könnte dies zu Kontingentierungssystemen führen, bei denen der Zugang zu Arbeitskräften nicht mehr allein vom Bedarf der Unternehmen abhängt, sondern von politischen Entscheiden und bürokratischen Zuteilungen.

In einem solchen System wären die KMU besonders betroffen. Sie verfügen über weniger Ressourcen als grosse Unternehmen, um komplexe Prozesse zu bewältigen, und würden in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Dabei bilden gerade sie im Wallis das Fundament der Wirtschaft.

Vor Ort sehen sich die Unternehmen im Ausbaugewerbe bereits heute mit erheblichen Rekrutierungsproblemen konfrontiert. In vielen technischen Berufen ist die Suche nach qualifiziertem Personal zum Alltag geworden. Gründe dafür sind unter anderem die demografische Entwicklung, Pensionierungen und die zunehmende Spezialisierung der Kompetenzen.

In diesem Kontext würde eine Einschränkung des Zugangs zu ausländischen Arbeitskräften diese Spannungen weiter verschärfen. Die Folgen wären konkret: verzögerte Projekte, längere Fristen und steigender Kostendruck. Dabei ist festzuhalten, dass diese Arbeitskräfte nicht zufällig kommen, sondern reale wirtschaftliche Bedürfnisse decken und aktiv zur Wertschöpfung beitragen.

Über die Personalfrage hinaus wäre die gesamte wirtschaftliche Dynamik betroffen. Das Baugewerbe ist eng mit privaten und öffentlichen Investitionen verbunden. Werden die Perspektiven unsicher, werden Projekte verschoben oder ganz aufgegeben – mit Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaftskette.

Ausbilden, investieren, bauen: die entscheidenden Hebel

Die Berufsbildung ist ein zentraler Pfeiler des Walliser Modells. Sie basiert auf einer engen Verbindung zwischen Unternehmen und Nachwuchs. Es sind die Unternehmen, die ausbilden, Wissen weitergeben und die Kontinuität sichern.

Dieses Modell setzt jedoch eine dynamische Wirtschaft voraus. Nimmt die wirtschaftliche Aktivität ab oder werden die Perspektiven unsicher, sinken automatisch auch die Ausbildungskapazitäten. Damit droht mittelfristig eine Schwächung des Nachwuchses.

Hier zeigt sich ein wesentliches Paradox: Eine Initiative, die vorgibt, den Arbeitsmarkt zu schützen, könnte in Wirklichkeit einen seiner wichtigsten Grundpfeiler schwächen.

Angesichts der aktuellen Herausforderungen – Energiewende, Modernisierung des Gebäudebestands und Ausbau der Infrastruktur – sind die Anforderungen enorm. Sie erfordern Fachwissen, Koordination und eine hohe Umsetzungskraft. Das Baugewerbe steht dabei im Zentrum.

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, brauchen die Unternehmen Sichtbarkeit, stabile Rahmenbedingungen und verlässliche Perspektiven. Sie müssen planen, rekrutieren und investieren können. Starre Einschränkungen und zusätzliche Unsicherheiten laufen diesen Bedürfnissen entgegen.

Letztlich geht die Frage der Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» weit über die reine Demografie hinaus. Sie betrifft die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Kompetenz[MC1]  der Unternehmen, effizient zu arbeiten.

Im Wallis, wo die Realität der Praxis über theoretischen Ansätzen steht, ist die Schlussfolgerung klar: Die aktuellen Herausforderungen lassen sich nicht mit administrativen Obergrenzen lösen, sondern durch Handlungsfähigkeit, Ausbildung und Investitionen.

Für den Handwerkerverband und bauenwallis ist die Schlussfolgerung eindeutig: Diese Initiative schwächt unsere reale Wirtschaft, benachteiligt unsere Unternehmen und gefährdet unsere Fähigkeit, die Herausforderungen von morgen zu meistern. Sie muss abgelehnt werden.

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